Camping mit unsichtbaren Herausforderungen
Inhaltsverzeichnis
Mein Leben mit Fibromyalgie – und warum Campen für mich anders funktioniert.
Wenn ich am Wasser sitze und einfach nur schaue, wirkt alles leicht.
Die Sonne spiegelt sich auf der Oberfläche, irgendwo klappert leise Geschirr, ein Vogel zieht vorbei. In solchen Momenten fühlt sich mein Körper ruhig an. Fast normal.
Was man nicht sieht: Ich lebe mit Fibromyalgie.
Fibromyalgie ist eine chronische Schmerzerkrankung, die vor allem Muskeln und Bindegewebe betrifft. Sie geht häufig mit anhaltender Erschöpfung, Schlafstörungen und einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Reizen einher. Sie ist nicht heilbar – und vor allem nicht sichtbar. Und genau das macht sie so schwer erklärbar.
Die Schmerzen, die man nicht sieht.
Von außen wirke ich gesund.
Ich kann laufen. Ich kann reisen. Ich kann lachen. Doch in mir begleiten mich Schmerzen, die mal lauter und mal leiser sind.
Wie ein Hintergrundrauschen, das nie ganz verschwindet.
Manchmal sind sie nur ein Flüstern.
Manchmal drehen sie sich auf und bestimmen meinen Tag.
Dazu kommt eine bleierne Erschöpfung. Nicht die Art von Müdigkeit, die man mit einer Tasse Kaffee vertreibt.
Sondern eine, die tief sitzt. Die selbst nach ausreichend Schlaf da sein kann.
Und dann ist da noch mein Nervensystem. Ich bin lichtempfindlich. Lärm trifft mich stärker als früher. Wenn viele Eindrücke gleichzeitig auf mich einprasseln, fühlt es sich an, als würde jemand in mir den Lautstärkeregler hochziehen. Mein Körper spannt an. Mein Kopf wird unruhig. Ich werde schneller reizüberflutet. Das ist schwer zu erklären.
Und noch schwerer zu sehen.
Arthrose – die zweite Baustelle
Zusätzlich begleitet mich eine beginnende Arthrose.
Sie macht Bewegungen manchmal steif. Sie erinnert mich morgens daran, dass mein Körper Zeit braucht. Sie reagiert auf Belastung, auf falsche Drehungen, auf Überforderung.
Aktuell sind meine körperlichen Einschränkungen noch überschaubar.
Aber wir wissen beide: Arthrose ist ein fortschreitender Prozess.
Das bedeutet, dass ich in einigen Jahren noch mehr Herausforderungen haben werde.
Deshalb beschäftigen wir uns schon jetzt bewusst mit dem Thema: Wie komme ich später klar? Welche Lösungen helfen mir langfristig, mobil und selbstständig zu bleiben?
Und genau hier wird Campen plötzlich sehr praktisch.
Wir haben uns bewusst für einen Grundriss mit Längsbetten und seitlichem Ausstieg entschieden.
Die Wege im Wohnwagen sind kurz, alles ist griffbereit, wenige Stufen sind zu bewältigen.
Für viele ist das Komfort – für mich ist es Alltagserleichterung.
Ich muss nicht über Sascha klettern.
Ich kann mich langsam aufsetzen, die Beine zur Seite drehen und kontrolliert aufstehen.
Das schont meine Gelenke.
Es reduziert Schmerzen.
Und es entscheidet oft darüber, wie mein Tag beginnt.
Solche Details wirken klein.
Sind sie aber nicht.
Warum spontane Kurztrips für mich keine Erholung sind
Sascha und ich haben schon oft probiert, einfach für eine Nacht loszufahren. Romantisch klingt das immer.
Aber sehr schnell merke ich: Mein Nervensystem springt sofort auf Alarmmodus. Zu viele Eindrücke, zu viel Auf- und Abbauen in kurzer Zeit – alles gleichzeitig – und mein Körper ist überreizt, bevor der Tag überhaupt richtig begonnen hat.
Für viele ist das Abenteuer. Für mich ist es ein enormer Energieverbrauch. Ein einziger intensiver Tag kann bedeuten, dass mein Körper zwei Tage danach noch hinterherhinkt.
Deshalb campen wir anders. Wir planen mindestens zwei Nächte – oft sogar länger – an einem Ort. So kann ich mich wirklich einpendeln, mein Nervensystem beruhigen und den Moment genießen. Wir reduzieren Ortswechsel, strukturieren den Tag bewusst, und Pausen sind fest eingeplant.
Vielleicht fragt man sich: Wie passt das zusammen – Messen, Content Creator, Blog, Social Media – und gleichzeitig der Körper, der all das nicht so schnell verträgt?
Für mich funktioniert das nur, wenn die Arbeit am PC ruhig und konzentriert ist. Diese Phasen entschleunigen mich, helfen meinem Nervensystem, wieder runterzufahren.
Das Messen und die inhaltliche Arbeit funktionieren nur mit guter Vorbereitung, ausreichend Pausen währenddessen und gezielten Ruhephasen danach. Atemübungen, kleine Spaziergänge oder einfach bewusstes Sitzen vor dem Camper helfen mir, wieder in Balance zu kommen.
So habe ich beim Campen tatsächlich mehr gute als schlechte Tage. Die Natur beruhigt mich. Die klare Tagesstruktur entlastet mein Nervensystem. Die Reduktion auf das Wesentliche tut mir gut.
Ich sitze vor dem Camper. Schaue aufs Wasser. Atme. Und merke, wie mein Körper langsam wieder runterfährt.
Ein kleiner Camping-Knigge
Was ich mir manchmal wünsche, ist mehr gegenseitiges Verständnis.
Camping ist Freiheit.
Aber es ist auch Nähe.
-Nicht jeder hatte einen leichten Tag.
-Nicht jeder verträgt laute Musik bis spät in die Nacht.
-Nicht jeder kommt erholt an.
Für mich können Lärm oder grelles Dauerlicht bedeuten, dass mein Nervensystem stundenlang überdreht ist. Dass ich schlecht schlafe. Dass der nächste Tag schwieriger wird.
Was für den einen Urlaubsstimmung ist, kann für den anderen Überforderung sein.
Vielleicht dürfen wir uns beim Campen öfter fragen:
Braucht der Platz neben mir gerade vielleicht einfach etwas Ruhe?
Rücksicht ist kein Verzicht.
Sie ist Respekt.
Warum wir diese Blogreihe starten
Brauche ich Mitleid? Nein. Ich lerne Schritt für Schritt, mit meinen gesundheitlichen Einschränkungen im Alltag zurechtzukommen. Manchmal klappt es gut, manchmal nicht.
Warum erzähle ich meine Geschichte?
Um zu zeigen, dass es hundert Gründe gibt, warum jeder Camper anders ist – und andere Bedürfnisse hat.
Um Bewusstsein zu schaffen.
Damit wir verstehen, dass hinter jedem Camper individuelle Voraussetzungen stehen.
Am Ende wollen wir doch alle dasselbe:
Unsere innere Ruhe finden.
Den Moment genießen.
Und unterwegs Freiheit spüren – auf unsere ganz eigene Weise.
Wir würden uns sehr freuen, von euch zu hören:
Habt ihr selbst schon Erfahrungen gemacht, bei denen Camping besondere Herausforderungen mit sich brachte?
Oder habt ihr Tipps, die anderen Campern helfen könnten, ihre Reise entspannter zu gestalten?
Schreibt uns eure Gedanken gern in die Kommentare – wir lesen alles und lernen gemeinsam dazu.
Wenn euch diese Perspektive interessiert und ihr mehr über verschiedene Wege, Herausforderungen und Lösungen beim Campen erfahren wollt, dann schaut euch unbedingt die ganze Blogreihe an.
Wir werden in den kommenden Beiträgen weitere Geschichten teilen – von Menschen mit unterschiedlichsten Voraussetzungen – und zeigen, wie vielfältig Camping wirklich sein kann.
Lasst uns gemeinsam entdecken, wie jeder Camper seine innere Ruhe finden kann – auf seine ganz eigene Weise.