Caravaning im Wandel

Der Boom verändert sein Gesicht

Aus verschiedenen Gründen haben wir uns in den vergangenen Tagen intensiver mit der Entwicklung des Caravaning-Marktes beschäftigt. Dabei haben uns auch zwei Artikel zu diesem Thema inspiriert. Wir haben deshalb zahlreiche Zahlen, Statistiken und Entwicklungen recherchiert und genauer betrachtet.

In diesem Beitrag möchten wir euch zeigen, wie sich der Caravaning-Markt in den vergangenen Jahren verändert hat, wo er heute steht und in welche Richtung er sich weiterentwickeln könnte.

Besonders interessant ist dabei eine Entwicklung, die auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint: Das Interesse am Caravaning bleibt weiterhin sehr hoch – doch der klassische Neufahrzeugkauf verändert sich. Während die Neuzulassungen teilweise zurückgehen, wächst beispielsweise der Gebrauchtmarkt weiter und erreicht neue Rekordwerte. Auch der Bestand an Freizeitfahrzeugen in Deutschland wächst kontinuierlich.

Der Caravaning-Boom ist also keineswegs vorbei. Vielmehr verändert sich der Markt – und genau diese Veränderungen wollen wir uns im Folgenden genauer anschauen.

CIVD Graphik

Grafik: Caravaning Industrie Verband e. V. (CIVD)
Quelle: CIVD – Bearbeitung der KBA-Zahlen

Caravaning boomt – trotz Veränderungen im Neufahrzeugmarkt

Der Boom in der Campingbranche hält unvermindert an, verlagert jedoch spürbar seine Dynamik.

Mit einem historischen Rekord von 44,7 Millionen Campingübernachtungen im Jahr 2025 hat die Nachfrage nach Urlaub im Freien einen neuen Höchststand erreicht. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Plus von 4,2 Prozent, gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019 sogar einem Anstieg von 24,9 Prozent. Betrachtet man einen längeren Zeitraum, wird die Entwicklung noch deutlicher: Seit 2005 hat sich die Zahl der Campingübernachtungen in Deutschland mehr als verdoppelt.

Der kontinuierliche Anstieg verdeutlicht, dass es sich beim Camping längst nicht mehr um ein kurzfristiges Phänomen handelt, sondern um eine nachhaltig gewachsene Form des Reisens. Parallel dazu wächst auch der Bestand an Freizeitfahrzeugen auf deutschen Straßen stetig weiter.

Interessant ist dabei die aktuelle Marktentwicklung: Der Boom spiegelt sich heute nicht mehr ausschließlich im Verkauf von Neufahrzeugen wider, sondern verschiebt sich zunehmend auch in Richtung Bestandsfahrzeuge, Werterhaltung, Reparatur, Modernisierung und technische Nachrüstung. Der Gebrauchtmarkt gewinnt dadurch weiter an Bedeutung.

Auch der Bedarf an Stell- und Campingplätzen wächst. Gleichzeitig verändern sich die Plätze selbst. Camping wird zunehmend professioneller und digitaler: Online-Buchungen, digitale Check-ins und Zugangssysteme sowie weitere digitale Services werden immer wichtiger. Gleichzeitig steigt der Anspruch an Ausstattung und Komfort. Neben klassischen Stellplätzen entstehen zunehmend Komfort- und Premiumangebote, moderne Sanitäranlagen, zusätzliche Freizeitangebote und individuell auf unterschiedliche Zielgruppen zugeschnittene Platzbereiche. Campingplätze entwickeln sich damit immer stärker von einfachen Übernachtungsplätzen zu professionell geführten Ferien- und Freizeitanlagen.

Der Caravaning-Boom verschwindet also nicht – er verändert seine Struktur.

Vom Neufahrzeug zum Bestandsfahrzeug – der Fahrzeugmarkt verändert sich

Camping ist in den vergangenen Jahren spürbar teurer geworden. Gleichzeitig verliert die Urlaubsform dadurch bislang keineswegs an Bedeutung – im Gegenteil: Die Nachfrage erreicht weiterhin Rekordwerte und auch die wirtschaftliche Bedeutung des Caravaning-Tourismus wächst.

Ein Blick auf die Preisentwicklung zeigt zunächst, dass Camping sich überdurchschnittlich verteuert hat. Zwischen 2020 und 2025 stiegen die Preise für Übernachtungen auf Wohnmobilstellplätzen um 32,2 Prozent, die Campingplatzgebühren um 28,7 Prozent. Zum Vergleich: Die Preise für Übernachtungen insgesamt stiegen im gleichen Zeitraum um 26,9 Prozent, die Verbraucherpreise insgesamt um 21,9 Prozent. Besonders bei Wohnmobilstellplätzen ist der Abstand deutlich.

Trotz dieser Entwicklung gehört Deutschland im europäischen Vergleich weiterhin zu den vergleichsweise günstigen Campingländern. Nach der PiNCAMP-Preisanalyse 2026 kostet eine Übernachtung für eine Familie mit zwei Erwachsenen und einem Kind in der deutschen Sommer-Hochsaison durchschnittlich rund 41 Euro. Das sind zwar 7 Prozent mehr als im Vorjahr, gleichzeitig liegt der europäische Durchschnitt bei rund 49 Euro. Camping ist also teurer geworden, aber Deutschland bleibt weiterhin ein vergleichsweise preisgünstiges Campingland.

Noch interessanter wird die Entwicklung, wenn man die Preise der tatsächlichen Nachfrage gegenüberstellt. Denn trotz der gestiegenen Kosten erreichte Camping 2025 mit 44,7 Millionen Übernachtungen auf deutschen Campingplätzen einen neuen Rekord. Gegenüber 2005 entspricht das einem Anstieg von 105,5 Prozent. Gleichzeitig entfielen 9,0 Prozent aller Gästeübernachtungen in Deutschland auf Campingplätze – damit fand ungefähr jede elfte Übernachtung auf einem Campingplatz statt.

Auch wirtschaftlich hat Caravaning inzwischen eine beachtliche Größenordnung erreicht. Die aktuelle Untersuchung von dwif und CIVD kommt für 2025 auf rund 23 Milliarden Euro Umsatz durch Caravaning-Urlauber in Deutschland. Gegenüber 2015 entspricht das einem Anstieg von rund 80 Prozent. Rund 7,8 Milliarden Euro davon flossen direkt in die Urlaubsregionen.

Auch bei den Übernachtungen wird die Dimension des Marktes deutlich: Destatis zählt für 2025 44,7 Millionen Campingübernachtungen. Die Branchenbetrachtung von dwif und CIVD kommt auf rund 56 Millionen Übernachtungen auf Campingplätzen und zusätzlich rund 20 Millionen auf Stellplätzen außerhalb klassischer Campingplätze.

Gerade die Entwicklung der Stellplätze zeigt, wie stark sich die Infrastruktur des Caravaning verändert. Nach Angaben des CIVD ist die Zahl der Stellplätze in Deutschland innerhalb der vergangenen 20 Jahre um mehr als 80 Prozent gestiegen. Gleichzeitig nahmen die Übernachtungen auf Stellplätzen außerhalb von Campingplätzen seit 2016 um rund 48 Prozent zu. Neben klassischen Campinganlagen entstehen immer mehr alternative Übernachtungsmöglichkeiten – von privaten Naturstellplätzen über Angebote wie VanSite bis hin zu landwirtschaftlichen Gastgebern bei Landvergnügen.

Camping wird also nicht nur teurer, sondern gleichzeitig auch wirtschaftlich relevanter und vielfältiger. Die steigenden Preise haben die Nachfrage bislang nicht gebrochen. Stattdessen verbringen weiterhin immer mehr Menschen ihren Urlaub auf Camping- und Stellplätzen und geben dabei Milliarden in den Regionen aus.

Die entscheidende Frage lautet deshalb inzwischen weniger, ob der Caravaning-Tourismus weiter wächst, sondern ob die vorhandene Infrastruktur mit dieser Entwicklung Schritt halten kann. ich finde den abschnitt stimmig

 

Quellen und weiterführende Informationen

Die in diesem Beitrag verwendeten Zahlen und Informationen stammen aus folgenden Quellen:

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