Nur Nadine: Zwischen Stillstand und Hoffnung
Nadine

Hey liebe Camper, heute muss ich mir mal einiges von der Seele schreiben. In meinem Beitrag „Campen mit Fibromyalgie“ habe ich euch ja bereits erzählt, wie die Krankheit unser Campingverhalten bestimmt. Doch heute geht es nicht um Ausrüstung oder Stellplätze. Heute geht es um das, was passiert, wenn die Reise pausiert und das Leben einen unplanmäßigen Stopp einlegt.

Zwischen Hoffen und Bangen

Seit Wochen sitze ich nun zuhause. Ich bin immer noch krankgeschrieben und befinde mich in einem Zustand zwischen Hoffen und Bangen. Gerade weiß ich einfach nicht, wie es weitergeht. Mein Alltag ist momentan geprägt von Arztterminen, Therapiemaßnahmen und dem Ausfüllen von Anträgen. Das alles kostet mich so unendlich viel Kraft.

 

Viele Menschen denken, dass es für Personen mit chronischen Krankheiten doch „toll“ sein muss, wenn sie nicht arbeiten gehen müssen. Aber sie sehen dabei nicht, was es mit den Betroffenen wirklich macht.

 

Ich würde gerne arbeiten. Ich vermisse meine Kollegen und den Kontakt zu den Kunden. Aber ich merke selbst in den eigenen vier Wänden, dass Kleinigkeiten mich über das normale Maß hinaus erschöpfen.

 

Spülmaschine einräumen: Eine ganz normale, leichte Tätigkeit, oder? Für mich bedeutet es danach: erst einmal hinsetzen, Pause machen, das Nervensystem runterfahren. Das bedeutet im Umkehrschluss: Stillstand. Keine weitere Aktivität möglich.

Die harte Wahrheit über die eigenen Grenzen

Während ich hier so sitze, leidet meine mentale Gesundheit extrem. Ich habe Angst vor der Zukunft. Die letzten Wochen haben mir schmerzhaft klar vor Augen geführt, wie sehr ich in den letzten Monaten über meine Grenzen gegangen bin. Immer und immer wieder.

 

Warum ich das getan habe? Weil ich mir beweisen wollte, dass ich das alles noch kann. Dass ich doch noch nicht so alt bin. Dass ich weitermachen will.

 

Doch heute weiß ich: In meinen alten Beruf kann ich nicht mehr zurück. Es ist schwer zu ertragen, dass der Job, den man gerne gemacht hat, nicht mehr tragbar ist. Welche Alternativen habe ich überhaupt? Ich wäge gerade alles ab, und diese Ungewissheit wiegt schwer.

Neuorientierung braucht Kraft (die eigentlich nicht da ist)

Ich muss mich neu orientieren, und das fällt ungeheuer schwer. Um besser im Alltag mit der Erkrankung zu leben, muss ich meinen gewohnten Ablauf ändern, ihn neu strukturieren und völlig neue Gewohnheiten erlernen. Das alles zerrt an meinen Kräften – Energie, die ich eigentlich gerade gar nicht habe.

In meiner Psychotherapie lerne ich Warnsignale früh genug wahrzunehmen. Meine Ärztin sagt immer: Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Auto. Sie halten doch an der roten Ampel – aber bei Ihrem Körper fahren Sie permanent über Rot. Seitdem ich arbeitsunfähig bin, merke ich, wie viele Jahre ich das getan habe, bis ich den Wagen im Dezember vor die Wand gesetzt habe. Jetzt stehe ich vor einem Riesenblechhaufen und muss zusehen, wie ich ihn wieder fahrtüchtig bekomme. Es wird ein langer Weg, und am Ende wird er nicht mehr so rund laufen wie früher, aber:

Er wird wieder fahren!

Aber eines möchte ich festhalten:
Ich will mich nicht geschlagen geben.

Auch wenn der Motor gerade stottert und ich unfreiwillig am Straßenrand stehe, bleibt mein Ziel dasselbe: Ich möchte reisen, die Welt entdecken und weiterhin aktiv am Leben teilnehmen. Nur der Weg dorthin wird wohl anders aussehen, als ich es mir je vorgestellt habe.

 

Eure Nadine

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